Die Signoria der Malatesta
Falls die Romagnoli Chiantiwein tränken und das aspirierte “s” hätten, könnte die Romagna ein weiteres CHIANTISHIRE sein. Genauer noch: ein SANGIOVESESHIRE (die Grafschaft des Sangiovese).
Jawohl, denn wenn es sich auch jenseits des Apennin ganz generell um das auserwählte Land der Angelsachsen handelt, so fehlt es doch an den Ufern der Adria durchaus nicht an ausländischen und italienischen Touristen. Und die klügeren haben bereits seit geraumer Zeit begonnen, sich für das Hügelgebiet zu interessieren, das Rimini umgibt. Für kaum bekannte und wunderbare Winkel einer Romagna, die der “Kusine” TOSKANA wirklich nichts zu neiden hat. Und da nun mal ein GROSSARTIGER FEDERICO FELLINI fehlt, der die hiesigen herzbewegenden Szenarien mit einem Film portraitieren und erzählen könnte, wie dies BERTOLUCCI für die Toskana tat, VERSUCHEN WIR das!!
Tafelfreuden, unmittelbare Sympathie, sanfte Hügel.
Was fehlt uns Romagnoli eigentlich wirklich? Haben wir den Willen, ganz tief an uns zu glauben? Oder Angst, dass gewisse grüne Paradiese urplötzlich von den Massen der Strand- und Diskothekengänger überfallen werden?
Nehmen wir zum Beispiel die Hügel unmittelbar hinter Rimini. DIE SIGNORIA DER MALATESTA , ja, die von Paolo und Francesca, reich an Traditionen und Volksfesten, mit Bänkelsängern, Spielleuten, Gauklern und Künstlern jeder Art und aus aller Welt!!
Burgen, Kastelle, mittelalterliche Orte, sich gewundene Straßen, Wälder, Olivenhaine, Trattorien, Museen, Wegstrecken voller Kuriositäten. Man kann das Marecchia-Talgebiet hinauffahren und überrascht verbleiben von den Reichtümern einer Gegend, die den meisten “verborgen” bleibt. SANTARCANGELO ist gewiss das bekannteste, allein schon wegen seines Festivals, SANTARCANGELO dei TEATRI, das im JULI tausende von Ensembles, Theaterfreunden und Neugierigen aus aller Welt in die Straßen der Altstadt ruft. Nach Santarcangelo, da kommt man auch um zu essen, und wie kann man das nicht das La Sangiovese und das Il Passatore erwähnen? Oder die Tagliatelle von Renzi und Zaghini? Oder auch Lazaroun und La Buca und viele weitere von exzellenter Qualität. Gut erhalten ist hier die MALATESTA-Burg aus dem XIV. Jahrhundert.
Sehr alten Ursprungs, “Vaterland des Malatesta” und Ort von unzweifelhaftem und mächtigem Faszinosum ganz in der Nähe ist VERUCCHIO, das einen Halt verdient. Von all dem Vielen hier sei DAS ARCHÄOLOGISCHE STADTMUSEUM erwähnt, das im Augustinerkloster eingerichtet wurde.
Zwischen Santarcangelo und Villa Verucchio müsst Ihr einen Blick auf den Palazzo Marcosanti werfen, in POGGIO BERNI.
Wer hingegen nach TORRIANA kommt, wo sich die vielzitierte Osteria des Povero Diavolo (des Armen Teufels) befindet, sollte nicht die Gelegenheit versäumen, in MONTEBELLO haltzumachen: die Attraktion hier ist das Kastell mit einem Geist (harmlos, es ist ein Mädchen).
Flusswechsel, Talwechsel: es geht den Conca hinauf, oberhalb Riccione, ausgehend von CORIANO. Eine für Sportler und Picknick-Freunde empfohlene Etappe ist der Marano-Park.
Nach SAN GIOVANNI IN MARIGNANO geht man wegen des Weins und der “Zirudele” (Reime) des Poeten VILLA aus dem 19. Jh.; aber besonders wegen des suggestiven mittelalterlichen Hexenfestes “FESTA DELLE STREGHE” , das im Juni stattfindet.
MORCIANO ist das landwirtschaftliche und kommerzielle Zentrum des gesamten Talgebietes.
MONTEFIORE ist atemberaubend: bis zur Malatesta-Burg Steigungen, die von den “Fahrzeugen” einiges fordern. Versäumt nicht den Ausblick, den man von der Terrasse genießt, und vor allem nicht das Fest zu Ehren des Mondes “ROCCA DI LUNA” Mitte Juli.
GEMMANO, wer nicht unter Klaustrophobie leidet und das Abenteuer liebt, wird in den Grotten von Onferno etwas zum Beißen finden.
SALUDECIO, klein und entzückend, speziell Ende Juli/Anfang August mit seinem überwältigenden “800 FESTIVAL” (das man wenigstens einmal im Leben gesehen haben sollte).
MONDAINO an der Grenze zu den Gebieten der Montefeltro, wo die Herzöge von URBINO herrschten, hebt sich durch seine schöne Piazza, das Museum und ebenfalls ein mittelalterliches Fest ab, etwa Mitte August; da bestimmt der “PALIO DEL DAINO” mit historischen Revivals das Geschehen.
MONTESCUDO und MONTECOLOMBO. Mehr ins Talgebiet hinunter, produziert ersteres optimale Kartoffeln, ihr Fest an jedem zweiten Weekend im August sollte man nicht versäumen. Zu sehen ist auch eine malatestianische “Ghiacciaia” (Kühlkammer, die mit Schnee gefüllt war) und, wenige Schritte weiter, die abgedeckte und entweihte Kirche von TRARIVI, ein Symbol des Friedens, in dem sich ein Museum der GOTENLINIE befindet. Im zweiten Ort hingegen isst man Strozzapreti-Nudeln und Trippa (Kuddeln) unter der Sonne des warmen romagnolischen Julis. Die Sicht über die Talgebiete ist atemberaubend.
P.S.: zwei Buslinien bringen die Touristen von Juni bis September auf einer bequemen Panorama-Tour ins Conca-Talgebiet und ins Marecchia-Talgebiet: die Linie der Hügel “COLLINEA“.
Historisches Revival der Hochzeit
zwischen Roberto Malatesta und Elisabetta da Montefeltro
Vom 13. bis 18. Juli 2004, eine Woche historischer Revivals
im Zentrum Riminis – (Datum 2005 noch zu bestätigen)
Ende Juni 1475 heirateten Roberto Malatesta, Sohn von Sigismondo, und Elisabetta, Tochter des Herzogs Federico da Montefeltro. Nach dem großen Erfolg im vorigen Jahr wird die Stadt Rimini nun im Folgejahr das Revival dieser Hochzeit zu Gast haben, mit einer Woche voller Darbietungen von fahrenden Sängern und Fahnenschwenkern, mittelalterlicher Musik und Gastronomie, Umzügen von hunderten von Darstellern, und alles gipfelt in der Feier der Hochzeit des grausamen Sigismondo-Sohnes mit Elisabetta.
Die Festivitäten beginnen Dienstag, 13. Juli und dauern bis Sonntag, 18. Juli: von 20.30 bis 24.00 gibt es im gesamten historischen Zentrum Darbietungen von Gauklern, Stelzenläufern, Waffenträgern, Armbrustschützen, Musikern, Tänzern; es gibt Duelle und Karusselle, Fahnenschwenker, Trommler, Bläser, Falkner und großes Feuerwerke. Großes Finale mit mittelalterlichen Märchen und Feuerwerk.
Außer dem Volksfest finden täglich um 22.00 Konferenzen zur Geschichte der Malatesta im Römischen Lapidarium des Stadtmuseums (Via Tonini 1) statt; ebenfalls geführte Besichtigungen des Castel Sismondo, des Tempio Malatestiano und der Fundstücke des Stadtmuseums.
Schließlich wird auch die Gastronomie des Hohen Mittelalters ihren Raum haben, denn täglich um 19.00 öffnen die volkstümlichen Osterien und die höfischen Bankette auf der Piazza Ferrari.

